Phoenicopteridae
Flamingos / Flamingoes

Die Flamingos (Phoenicopteridae) bilden die einzige Familie innerhalb der Ordnung der Flamingos (Phoenicopteridae).
Die Verbreitungsgebiete der Flamingos erstrecken sich über das südliche Nordamerika, Zentralamerika, Südmaerika, Europa, Afrika und Asien.
Innerhalb dieser Familie werden sechs rezente Arten in drei verschiedenen Gattungen unterschieden.

Alle sechs Arten sind sich einander sehr ähnlich. Die Ähnlichkeiten fangen bei den rosa bis leuchtend roten Federn an, gehen über die Statur und Körperform der verschiedenen Arten, und enden beim jeweiligen Verhalten und dem auffälligen Schnabel - dem Seihschnabel.

  • Der Seihschnabel ist ein speziell geformter Schnabel, der für das Seihen (Sieben, Filtern) von Plankton aus dem Wasser genutzt wird.
    Diese Art der Nahrungsaufnahme mithilfe des speziell geformten Schnabels existiert vornehmlich bei allen Flamingoarten, sowie bei einigen Entenarten.
    Der Flamingo taucht mit dem Schnabel kopfüber unter Wasser, öffnet den Schnabel und lässt Schlamm bzw. Wasser ins Maul strömen. Danach schließt der Flamingo den Schnabel wieder, und lässt das Wasser bzw. den Schlamm wieder aus dem Schnabel herausfließen. Da die Schnabelkanten mit Hornleisten bzw. Lamellen ausgestattet sind, bleibt das Plankton im Inneren des Schnabels an diesen Lamellen hängen, und wird vom Flamingo heruntergeschluckt.
    Bei dem Plankton handelt es sich um Insekten, Würmer, Schnecken, Laich oder Pflanzenteile.
    Flamingos bilden z.T. riesige Kolonien, und sind recht standorttreu.
    Dank ihrer langen Beine und Hälse können Flamingos auch noch in tieferen Gewässern waten und nach Nahrung suchen, obwohl sie ausgezeichnete Schwimmer sind - jedoch ist ein schwimmender Flamingo ein seltener Anblick.
Das rosa bis rote Gefieder der Flamingos ist darauf zurückzuführen, dass von den Flamingos aus dem zum Nahrungserwerb gefilterten Plankton Carotinoide gewonnen wird. Diese Carotinoide werden in den Federn eingelagert, so dass das ursprünglich weiße Gefieder rosa bis rot erscheint.
Jungvögel besitzen ein graues Grundgefieder mit kleinen rosa Einschlüssen.
Bei fehlernährten Flamingos in Privathaltung (Zoos und Tierparks) ist das Gefieder fast weiß.

Die idealen Bruthabitate für Flamingos sind alkalische oder salzige Seen. Manche dieser Gewässer haben hohe Anteile an Chloriden, Natriumcarbonaten, Sulfaten oder Fluoriden.
In diesen Gewässern gibt es nur wenige andere konkurrienden Arten zum Flamingo.

Aufrecht stehend besitzen Flamingos eine Körpergröße von 90 bis 155cm. Bei den Flamingos besteht so gut wie kein Geschlechtsdimorphismus, die Männchen sind lediglich etwas größer als die Weibchen.
Im Flug strecken Flamingos ihre Hälse, sie fliegen mit gleichmäßigen, langsamen Flügelschlägen. Gleitphasen sind selten.
Eine Gruppe Flamingos fliegt in V-Formation, wie es z.B. Gänse ebenso praktizieren.

Die einzige in Europa natürlich vorkommende Flamingoart ist der Rosaflamingo (Phoenicopterus roseus), der im Einflussgebiet des Mittelmeeres brütet.
Seit den 1980er Jahren brüten Flamingos auch in Mitteleuropa. Diese Brutvorkommen gehen auf Gefangenschaftsflüchtlinge zurück.
Beobachtungen existieren aus Nordfrankreich, den Niederlanden, Dänemark und Deutschland.
Das einzig existierende Brutvorkommen von Flamingos existiert im Zwillbrocker Venn, einem Feuchtgebiet in Nordrhein-Westfalen an der Deutsch-Niederländischen Grenze.

Das Zwillbrocker Venn als Brutplatz für Flamingos

Das Zwillbrocker Venn gilt als der nördlichste Brutplatz von Flamingos weltweit.
  • 1970 tauchten im Zwillbrocker Venn erstmals zwei Flamingos unbestimmter Artangehörigkeit auf, in den darauf folgenden Jahren gab es immer wieder einzelne Beobachtungen.
  • 1982 erschienen sechs Chileflamingo (Phoenicopterus chilensis) im Zwillbrocker Venn. Es wurden Nester gebaut, es kam jedoch zu keiner erfolgreichen Brut. 1986 waren es dann zwölf Chileflamingos, und es kam zur ersten erfolgreichen Brut - die Jungtiere wurden in Tierparks untergebracht.Von 1983 bis 1989 wurden insgesamt 13 Jungvögel in Tierparks untergebracht.
  • 1986 erschien der erste Rosaflamingo in der Kolonie, seit 1993 werden auch die Jungtiere der Bruten flügge.
  • 1994 war der erste Kubaflamingo (Phoenicopterus ruber) in der Mischkolonie zu beobachten, seitdem befindet sich jährlich meist nur ein einziges Tier in der Mischkolonie.
  • Es gab immer wieder erfolgreiche Mischbruten Chileflamingo x Rosaflamingo und Rosaflamingo x Kubaflamingo, wobei nur die Chileflamingos und die Rosaflamingos artenrein brüten - die einzelnen Kubaflamingos brüten in Mischehen mit einer der beiden anderen Flamingoarten.
  • 2006 wurde der erste Nachweis von Zwergflamingos (Phoeniconaias minor) in der Kolonie erbracht. Bis 2010 wurden Einzelindividuen vom Zwergflamingo im Zwillbrocker Venn beobachtet, ohne jedoch dort zu brüten.
Seit 1987 werden die Jungvögel der gemischten Flamingokolonie beringt. Seit 1995 werden ca. 5,5cm hohe Farbringe mit individuellem Code genutzt, die man auch mit dem Fernglas ablesen kann.

Die Flamingos sind im Venn von Ende Februar, März oder April (je nach Witterung) bis ind en Herbst hinein im Venn zu beobachten. Das Überwinterungsgebiet ist das Volkerakmeer im Rhein-Maas-Delta, Zwischenrastplätze sind z.B. IJsselmeer, Veluwemeer und Oostvaarders Plassen.
Nur adulte Exemplare kehren jährlich ins Zwillbrocker Venn zurück, nicht erwachsene Individuen verbringen die Zeit bis zur Brutfähigkeit hingegen im Überwinterungsgebiet.

Nicht alle umherfliegenden, erbrüteten Rosaflamingos in Mitteleuropa entstammen der Kolonie am Zwillbrocker Venn, seit einigen Jahren tauchen auch hin und wieder nicht beringte, juvenile/diesjährige/immature Individuen auf -hier ist die Herkunft allerdings bisher unbestimmt.

Gefährdungen und Schutzmaßnahmen

Rosaflamingo (Phoenicopterus roseus) und Kubaflamingo (Phoenicopterus ruber) werden von der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) bzw. Birdlife International als LC (Least Concern = Nicht gefährdet) eingestuft, während Chileflamingo (Phoenicopterus chilensis) sowie Jamesflamingo (Phoenicoparrus jamesi) und Zwergflamingo (Phoeniconaias minor) als NT (Near Threatened = Vorwarnliste/Nahe der Gefährdung) eingestuft werden. Der Andenflamingo (Phoenicoparrus andinus) wird als VU (Vulnerable = Gefährdet) geführt.

Durch Trockenlegung der Seen, Besatz mit Fischen einst fischfreier Gewässer, sowie Nutzung geeigneter Seen zur Salzgewinnung - und nicht zuletzt der Bejagung und Verspeisung der Flamingoeier durch den Menschen - werden die Brutbestände der Flamingos weltweit dezimiert, was auf lange Sicht gesehen alle sechs Arten in der Roten Liste der IUCN in den Gefährdungsstufen weiter nach oben klettern lässt.
Als Schutzmaßnahmen müssen vor allem anderen geeignete Gewässer unter Schutz gestellt und als Schutzgebiete ausgewiesen werden.

Übersicht über die Gattungen und Arten samt Unterarten und Verbreitung innerhalb der Familie der Flamingos (Phoenicopteridae)

  • Die Gattung Phoenicopterus
    • Der Rosaflamingo (Phoenicopterus roseus) besiedelt Südeuropa, das Mediterrane Becken bis Südafrika und den Indischen Subkontinent in einer Unterart.
    • Der Kubaflamingo (Phoenicopterus ruber) besiedelt in zwei Unterarten zum Einen die Karibik bis Nordost-Brasilien (P. ruber ruber) sowie die Galapagosinseln (P. ruber glyphorhynchus).
    • Der Chileflamingo (Phoenicopterus chilensis) besiedelt die Anden Südamerikas und die Pampas (Sumpfgebiete) von Süd-Brasilien bis Süd-Argentinien in einer Unterart.
  • Die Gattung Phoenicoparrus
    • Der Andenflamingo (Phoenicoparrus andinus) bewohnt die Hochlagen der Anden von Süd-Peru bis Nordwest-Argentinien und Nord-Chile in einer Unterart.
    • Der Jamesflamingo (Phoenicoparrus jamesi) besiedelt in einer Unterart die Hochlagen der Anden von Süd-Peru bis Nordwest-Argentinien und Nord-Chile.
  • Die Gattung Phoeniconaias
    • Der Zwergflamingo (Phoeniconaias minor) bewohnt in lokalen Populationen Afrika sowie Madagaskar (nord-)ostwärts bis Nordwest-Indien in einer Unterart.

Letenschappelijke benaming Duitse benaming
Phoenicopterus
triviale naam Letenschappelijke benaming
Chileense Flamingo Phoenicopterus chilensis
Caribische Flamingo Phoenicopterus ruber
Flamingo Phoenicopterus roseus