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Schwarzstirnwürger
Lanius minor
Art der Laniidae

ad.

Die Handschwingen des Schwarzstirnwürgers sind basal weiß gefärbt und im oberen Teil schwarzgrau, teilweise braun ausgeblichen. In den äußersten Handschwingen ist die weiße Fläche in der Innenfahne stärker ausgeprägt als auf der Außenfahne. Der Kiel ist im oberen Teil dunkel, ragt ein Stück in die weiße Fläche hinein, wird dann jedoch proximal weiß. Die Armschwingen sind gleichmäßiger schwarzgrau gefärbt mit einer weißlichen Innenfahnenaufhellung. Der Kiel sticht sehr dunkel hervor. Auf den Schirmfedern fehlt die Aufhellung. Schwarzstirnwürger mausern im ersten Kalenderjahr noch zu einem Übergangsgefieder mit deulich heller Randung der GrAd. In diesem Gefiederstatus besitzen sie bereits den weißen Flügelspiegel, die Schwingen besitzen jedoch auch weißliche Spitzensäume. Im Winter erfolgt dann die zweite Mauser ins Adultkleid.

Die Steuerfedern besitzen einen relativ hohen Weißanteil. Die zentrale Steuerfeder S1 ist relativ gleichmäßig schwarzgrau gefärbt. Zur S6 hin vergrößert sich der Weißanteil sowohl in der Spitze als auch an der Basis. Die S6 ist meist rein weiß gefärbt, S5 zeigt große bis kleine dunkle Flecken, teilweise kann sie jedoch auch rein weiß sein. Weibliche Vögel zeigen tendentiell einen geringeren Weißanteil, welcher jedoch nicht für eine eindeutige Geschlechtsbestimmung ausreicht. Juvenile Vögel besitzen bereits eine ähnliche Färbung der Steuerfedern, die dunkle Färbung ist jedoch etwas blasser, die Übergänge verschwommener.

Längste Handschwinge des Schwarzstirnwürgers ist die H8. Beim Raubwürger ist dies meist die H6 oder H7. Die H8 zeigt eine deutliche Verengung der Außenfahne, H7 keine oder undeutlich. H9 und H10 sind vollständig verengt.

Feder Nummer längste
Handschwinge 10 pro Flügel 97.5 - 105.0mm n=9
H8 (89%) H7 (11%)
Armschwinge 9 pro Flügel 69.0 - 75.0mm n=9
A2 (22%) A1 (78%)
Steuerfeder 12
91.0 - 103.0mm n=7
S2 (71%) S1 (14%) S3 (14%)
Anmerkungen zu Vermessungsdaten

Anzahl der Individuen n

Für die Statistik der längsten Federmaße verwenden wir nur die Daten von Vögeln, bei denen die größten Federn vorliegen. Eine abgebrochene, fehlende oder im Wachstum befindliche Feder, welche potentiell die längste sein könnte disqualifiert das Individuum für die Vermessung. Ebenso werden keine Hybriden in die Statistik eingerechnet. Vögel verschiedenen Alters (z.b. junge und adulte Spechte), Geschlechts (z.b. männlicher und weiblicher Sperber) und Unterarten werden jedoch gleichermaßen im Diagramm genutzt und können so zu einem sehr großem Variationsbereich führen. Je größer die Anzahl an vermessenen Individuen ist, desto genauer ist die Angabe des Variationsbereichs. Sehr kleine Datensätze von einem oder nur ein paar Vögeln führen nur zu näherungsweisen Ergebnissen

Vermessungsmethode

Die Federn werden digital über den Scan vermessen. Dabei wird eine ventrale Krümmung der Federn für die Vermessung geradegezogen, eine kaudale Krümmung jedoch nicht! Vermessen wird vom Anfang der Spule bis zur größten Ausdehnung der Feder. Dies muss nicht immer zwingend der Kiel sein, sondern können (z.b. bei Ammern Armschwingen) auch die Federstrahlen sein. Besondere Ausprägungen wie z.b. die Wachsplättchen beim Seidenschwanz werden in der Vermessung ausgelassen.

Prozentangaben

Die Prozentangaben der einzelnen Federn wie z.b. H5 besagen wie groß der Anteil unter den Individuen ist, bei denen diese Feder die längste ihrer Art ist. Diese Angabe sollte immer in Verbindung mit der Gesamtanzahl der vermessenen Vögel betrachtet werden. Eine Angabe von 100% bei fünf Individuen ist keine Garantie dafür, dass diese Feder wirklich immer die längste ist.

ad.
juv.
Beleggalerie

Länderzuweisungen

Sperlingsvögel

Merkmale

Der Schwarzstirnwürger ist 19–23cm groß und wiegt 41–61g. Die Flügelspannweite beträgt 32-35cm, damit ist der Vogel etwa so groß wie ein Star (Sturnus vulgaris), jedoch langschwänziger und weniger gedrungen.
Scheitel, Nacken und Rücken sind einheitlich grau gefärbt. Schultern, sowie Arm- und Handschwingen sind bei Lanius minor schwarz. Die Steuerfedern sind ebenfalls schwarz gefärbt, beim Männchen sind die äußeren Steuerfedern jedoch weiß. Der Bauch des Vogels ist weißlich bis cremefarben, die Brust und die Flanken sind rötlichbraun gehaucht. Die Kehle ist fast rein weiß und bildet einen starken Kontrast zur breiten, schwarzen Gesichtsmaske - die sich von der Stirn über die Augen hinein bis in den Nacken zieht. Der breite, schwarze Schnabel ist zur Spitze hin hakenförmig nach unten gebogen. Beine und Zehen sind dunkel graubraun.
Das Weibchen ist insgesamt weniger kontrastreich gefärbt. Die Schwarzanteile des Obergefieders weisen einen Braunton auf und die Gesichtsmaske ist nicht vollständig schwarz gefärbt sondern weist eine grauschwarze Sprenkelung auf. Außerdem ist häufig eine schwache Sperberung des grauen Oberseiten- und des hellen Unterseitengefieders erkennbar.
Nach dem Ausfliegen mausern Schwarzstirnwürger ins Jugendkleid, das bereits Ähnlichkeiten zum Gefieder der adulten Tiere aufweist. Nacken und Rücken sind geflockt graubraun, die Flügel sind schwarzbraun. Die großen Armdecken weisen eine deutliche helle Randung auf. Der weiße Flügelspiegel und die Augenmaske sind bereits vorhanden. Brust und Bauch sind hell und es ist eine leichte Wellung und Sperberung des Gefieders zu erkennen.

Der Gesang des Schwarzstirnwürgers ist ein, für Würger typisches, krächzendes Schwatzen. Im Gesang sind aber zusätzlich häufig Imitationen anderer Vogelarten und Geräusche wie z.B. Hundegebell eingebettet. Die meist krächzend, rauen Revierrufe ertönen in einer langen Serie von „djejek-dschejek-dschijek“. Bei Erregung ist ein lautes, würgertypisches Tschäckern zu hören.

Habitat & Biologie

Der Schwarzstirnwürger besiedelt Komplexe aus offenen Landschaften wie Wiesen, Steppen und Feldern im Wechsel mit kleinen Wäldern, Gehölzen oder Anpflanzungen, Areale, nur von Büschen bestanden sind, besiedelt der Schwarzstirnwürger, im Gegensatz zu vielen anderen Würgerarten, nicht. Die Art kommt auch anthropogen geprägten Lebensräumen wie Parks, Alleen, extensiv genutzten Gärten und selbst innerhalb von Städten vor, wenn diese reich strukturiert sind. Von allen paläarktischen Würgerarten bevorzugt er die trockensten Habitate, in vollkommen wasserlosen Regionen brütet er jedoch nicht. In Europa liegen seine Brutgebiete unter 900m üNN, in den gebirgigen Teilen Kasachstans und Mittelasiens siedelt die Art bis zu einer Höhe von 2200m üNN.

Lanius minor ernährt sich fast ausschließlich von Insekten. Die Nahrung der adulten Tiere besteht zu über 90% aus Käfern, die Nahrung der Jungvögel besteht hingegen zu über 70% aus Heuschrecken. Der Schwarzstirnwürger erbeutet nur äußerst selten Wirbeltiere wie Feldmäuse, kleine Reptilien und Amphibien, Klein- und Jungvögel.
Die Beute wird - im Gegensatz zu anderen Würgern - häufig im Flug gefangen.
Das Anlegen von Nahrungsvorräten - mittels Aufspießen der Beute - ist bei der Art nur sehr selten zu beobachten.

Die Geschlechtsreife tritt beim Schwarzstirnwürger am Ende des ersten Lebensjahres ein. Die Vögel führen eine monogame Saisonehe, Wiederverpaarungen mit dem gleichen Partner in der neuen Brutsaison kommen aufgrund der geringen Brutortstreue der Weibchen nur selten vor. Die Art brütet einmal im Jahr, Nachgelege nach Brutverlust sind üblich, allerdings wechselt das Brutpaar dann häufig den Brutbaum oder sogar das Revier.
Die Brutzeit beginnt Ende Mai/Anfang Juni. Bei Ankunft im Brutrevier sind Schwarzstirnwürger meist schon verpaart. Noch unverpaarte Männchen zeigen einen auffälligen Balzflug, bei dem sie langsam kreisend und segelnd niedrig über ein Revier fliegen. Ist ein Weibchen in der Nähe beginnt ein Balzritual, das mit der Übergabe von Beutetieren an das Weibchen endet. Beide Tiere wählen daraufhin ein Nistplatz aus und beginnen mit dem Nestbau.
Der Nistplatz befindet sich in den meisten Fällen auf hohen Bäumen, nur selten in Sträuchern. Das napfförmige Nest wird aus Pflanzenfasern in einer Höhe von 4 bis 12, ausnahmsweise sogar 20 m gebaut. Seltener brütet Lanius minor auch in verlassenen Elstern- oder Krähennestern.
Das Gelege besteht aus 3-9 Eiern. Während der Brutzeit, die 15 Tage andauert, versorgt das Männchen das Weibchen mit Futter. Die Jungtiere werden zu Beginn ausschließlich vom Männchen gefüttert, später beteiligt sich das Weibchen an der Futtersuche. Nach etwa 16 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest, sie werden aber noch zwei weitere Wochen von den Altvögeln versorgt.

Der Schwarzstirnwürger ist ein Langstreckenzieher. Die Brutgebiete werden im August und September verlassen, nicht brütende Tiere ziehen oftmals schon Ende Juli fort. Die Art überwintert im südlichen Afrika vor allem in Namibia, Botswana, Simbabwe und Südafrika. Bis zu 22 Wochen verbleiben die Vögel im Winterquartier, ehe sie den Heimzug, der 6 bis 8 Wochen dauert, antreten. Die ersten Tiere erreichen bereits Mitte April wieder die Brutgebiete, die Mehrzahl der Individuen trifft jedoch erst im Mai ein.

Verbreitung

Es gibt / gab Brutvorkommen des Schwarzstirnwürgers in Österreich, der Schweiz und Süddeutschland:

  • In Östereich brüten jährlich einzelne Brutpaare des Schwarzstirnwürgers - zum einen scheinen die standhaften Populationen aus Südosteuropa bis hierhin auszustrahlen, zum anderen scheinen gebietsweise noch qualitativ und quantitativ ausreichende Großinsektenvorkommen zu existieren.

  • Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert war der Schwarzstirnwürger in Mitteleuropa - und somit auch der Schweiz - ein (noch) verbreiteter, gebietsweise häufiger Brutvogel. Der ab dem Ende des 19. Jahrhunderts und vor allem zu Beginn der 1960er Jahre einsetzende Bestandseinbruch führte dazu, dass sich die westliche Arealgrenze teilweise um 800-1000 Kilometer nach Osten verschoben hat - und somit West- und Mitteleuropa fast vollständig verlassen wurden. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft werden die Zukunftsaussichten auch in Osteuropa eher düster. Eine Wiederbesiedlung der Schweiz ist daher unwahrscheinlich.

  • In Deutschland ist Lanius minor als Brutvogel der offenen Landschaften Ende der 1970er Jahre ausgestorben. Die letzten Nachweise von Einzelbruten stammen aus den Jahren 1984 und 1987. Die Ausbreitung des Schwarzstirnwürgers erfolgte in historischer Zeit immer in Perioden mit aufeinanderfolgenden trockenen und warmen Sommern. Das trockene und warme Klima hat einen deutlichen Einfluss auf das Nahrungsangebot des Schwarzstirnwürgers und damit den Bruterfolg. Dieser Prozess wurde Mitte des 20. Jh. durch die Intensivierung der Landwirtschaft und den damit verbundenen Landschaftsveränderungen bzw. den massivem Einsatz von Agrochemikalien unterbrochen. Dadurch gelingt es dem Schwarzstirnwürger auch in klimatisch günstigen Perioden nicht mehr, ehemals aufgegebene Brutgebiete zu besiedeln.
  • Der Schwarzstirnwürger wird nicht in Unterarten aufgeteilt.

    Bemerkungen

    Die IUCN / Birdlife International stuft Lanius minor als "LC = Least Concern" - also als "Nicht gefährdet" ein, obwohl die Bestände abnehmen. Allerdings ist der Rückgang nicht so rapide, sodass das Kriterium (>30% Rückgang der Bestände in zehn Jahren oder innerhalb von drei Generationen) zur Einstufung in eine höhere Gefährdungskategorie nicht erfüllt wird.

    Schutzstatus

    • WA
      nicht gelistet
    • Verordnung (EG) Nr. 865/2006
      nicht gelistet
    • Bundesnaturschutzgesetz §44
      besonders geschützt