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Blutspecht
Dendrocopos syriacus
Art der Picidae

ad.
ad. Männchen

Der Blutspecht ist ein südöstlicher Verwandter des Buntspechts und sieht diesem im Gefieder auch sehr ähnlich. Sind bei einem Federfund keine Steuerfedern vorhanden, lassen sich die Hand- und Armschwingen tendentiell unterscheiden. Die Handschwingen sind schwarzbraun gefärbt mit regelmäßigen, verhältnismäßig großen, weißen Flecken. Die Flecken können bis an den Kiel heran reichen und eine durchgehende Bänderung erzeugenm (kann bei manchen seltenen Buntspechtvariationen auch der Fall sein). Die H4 ist beim Buntspecht im oberen Teil etwas deutlicher verengt als beim Blutspecht. Die Steuerfedern zeigen einen wesentlich geringeren Weißanteil. Dieser begrenzt sich noch weiter auf die äußeren Steuerfedern als es beim Buntspecht der Fall ist. Auch eine dunkle Zeichnung mit einzelnen weißen oder cremefarbenen Punkten ist möglich (beim Buntspecht eher untypisch).

Rudimentäre Handschwingen im Nestlingskleid

Die meisten Spechtarten leisten sich einen "Nestlingssatz" an Handschwingen, welcher sich aber bereits vor dem Ausflug aus der Bruthöle beginnt zu vermausern. Die Handschwingen im Nestlingskleid sind meist blasser, bräunlicher und auch weicher als die folgenden Handschwingen des Adultkleids und auch als die bereits in der Bruthöle angelegten Armschwingen. Diese Handschwingen sind auch deutlich kürzer als die nachfolgend wachsenden Handschwingen und werden proximal immer kürzer. Die H1 des Nestlingskleids ist kaum länger als die darüber liegende GrHd. Es gibt verschiedene Theorien für diesen zusätzlichen Satz Handschwingen, welcher bis zum Winter durch einen neuen vollständig ausgetauscht wird. Es muss sich jedoch in einer gewissen Art und Weise um eine Sparmaßnahme der Natur handeln, da die Federn minderwertiger als die nachfolgenden Handschwingen ausgebildet werden. Möglicherweise weil die Handschwingen im Nest schneller abbrechen und so ohnehin gewechselt werden müssten. Die Armschwingen, welche der Nestling ausbildet werden erst im 2. Kalenderjahr gemausert. Jungvögel im 1. KJ sind somit immer eindeutig zu erkennen, da die Armschwingen deutlich schwärzer, stabiler und größer gegenüber den Handschwingen sind und weil sich in den Handschwingen eine Mauserlücke fehlt. Juvenilen Totfunden oder Rupfungen fehlen meist immer die innersten Handschwingen, da diese bereits in der Bruthöhle ausfallen. Ein gerade ausgeflogener Buntspecht besitzt oft schon eine vermauserte oder sich im Wachstum befindliche H1/H2.

Feder Nummer längste
Handschwinge 10 pro Flügel 104.0 - 119.0mm n=6
H6 (50%) H7 (17%) H5 (33%)
Armschwinge 10 pro Flügel 87.0 - 93.5mm n=7
A1 (100%)
Steuerfeder 12
80.0 - 92.5mm n=5
S1 (100%)
Anmerkungen zu Vermessungsdaten

Anzahl der Individuen n

Für die Statistik der längsten Federmaße verwenden wir nur die Daten von Vögeln, bei denen die größten Federn vorliegen. Eine abgebrochene, fehlende oder im Wachstum befindliche Feder, welche potentiell die längste sein könnte disqualifiert das Individuum für die Vermessung. Ebenso werden keine Hybriden in die Statistik eingerechnet. Vögel verschiedenen Alters (z.b. junge und adulte Spechte), Geschlechts (z.b. männlicher und weiblicher Sperber) und Unterarten werden jedoch gleichermaßen im Diagramm genutzt und können so zu einem sehr großem Variationsbereich führen. Je größer die Anzahl an vermessenen Individuen ist, desto genauer ist die Angabe des Variationsbereichs. Sehr kleine Datensätze von einem oder nur ein paar Vögeln führen nur zu näherungsweisen Ergebnissen

Vermessungsmethode

Die Federn werden digital über den Scan vermessen. Dabei wird eine ventrale Krümmung der Federn für die Vermessung geradegezogen, eine kaudale Krümmung jedoch nicht! Vermessen wird vom Anfang der Spule bis zur größten Ausdehnung der Feder. Dies muss nicht immer zwingend der Kiel sein, sondern können (z.b. bei Ammern Armschwingen) auch die Federstrahlen sein. Besondere Ausprägungen wie z.b. die Wachsplättchen beim Seidenschwanz werden in der Vermessung ausgelassen.

Prozentangaben

Die Prozentangaben der einzelnen Federn wie z.b. H5 besagen wie groß der Anteil unter den Individuen ist, bei denen diese Feder die längste ihrer Art ist. Diese Angabe sollte immer in Verbindung mit der Gesamtanzahl der vermessenen Vögel betrachtet werden. Eine Angabe von 100% bei fünf Individuen ist keine Garantie dafür, dass diese Feder wirklich immer die längste ist.

ad. Männchen
juv. Männchen
ad.
Weibchen
juv.
ad.

Länderzuweisungen

Spechtvögel

Merkmale

Der Blutspecht (Dendrocopos syriacus) erreicht eine Körpergröße von etwa 23cm. Das Gewicht variiert innerhalb der Verbreitungsgebiete: die Populationen im Iran wiegen 55 bis 63 Gramm, in Europa vorkommende Individuen wiegen durchschnittlich 70 bis 82 Gramm. Die Flügelspannweite beträgt 34 bis 40cm.
Das überwiegend kontrastreich schwarz-weiß gefärbte Gefieder von Dendrocopos syriacus ist typisch für die Gattung der Buntspechte (Dendrocopos). Der Rücken ist schwarz gefärbt, mit großen weißen Schulterflächen. Die Handschwingen sind weiß gebändert, das oberste, weiße Flügelband ist häufig mit den Schulterflecken verbunden. Brust, Bauch und Flanken sind gelblich-weiß, an den Flanken ist eine undeutliche Längsstrichelung erkennbar. Das Steuer ist überwiegend schwarz, nur die äußeren Steuerfedern weisen eine weiße Zeichnung auf. Steiß und Unterschwanzdecken sind großflächig rosarot.
Der Kopf des Blutspechts ist ebenfalls schwarz-weiß, wobei die Stirn, Wangen und seitliche Halspartien weiß sind, begrenzt werden diese weißen Felder durch ein schwarzes Zügelband sowie einem schwarzen Bartstreif. Die Kopfplatte ist ebenfalls schwarz, darunter befindet sich bei den Männchen ein deutlich rotes Nackenabzeichen, bei Weibchen fehlt dieser Fleck, das schwarze Gefieder setzt sich vom Kopf bis zum Rücken fort. Die Augen des Blutspechts sind schwarz, der spitze Schnabel weist eine hellgraue Färbung auf. Das Gefieder der Jungvögel ist matter und wirkt struppiger, die Gefiederpartien sind weniger scharf voneinander abgegrenzt. Beide Geschlechter weisen im Jugendkleid eine rote Kopfplatte auf. Die Flanken sind deutlicher längsgestrichelt als bei den adulten Tieren. Die männlichen Jungvögel besitzen häufig rote Sprenkel auf der Brust.

Unterscheidung zwischen Blut- und Buntspecht:

Beide Arten sind sich sich sehr ähnlich, können bei guten Sichtbedingungen aber anhand von einigen Merkmalen sicher unterschieden werden.
Am deutlichsten unterschieden sich beide Arten in der Gesichtszeichnung. Der weiße Wangenfleck des Buntspechts wird vom Zügelband, das bis zum Nacken reicht, eingerahmt. Beim Blutspecht ist dieser Zügel offen, sodass Wangen- und Halsfleck miteinander verbunden sind und der Kopf des Vogels dadurch insgesamt weißer erscheint.
Der rote Nackenfleck des männlichen Blutspechts, sowie der weiße Stirnfleck sind größer als beim Buntspecht. Betrachtet man das Rückengefieder der Vögel, fällt beim Buntspecht eine Kreuzzeichnung auf, die sich aus dem Nackenband und der einmündenden Zügel zusammensetzt, beim Blutspecht sieht man lediglich das schwarze Nackenband.
Im Flug kann man die Arten auch anhand der Steuerfedern unterscheiden. Die äußeren Steuerfedern von Dendrocopos major sind überwiegend weiß, hingegen die äußeren Steuerfedern von Dendrocopos syriacus überwiegend schwarz mit nur kleinen weißen Abzeichen sind. Die Rotfärbung des Steißes und der Unterschwanzdecken ist beim Buntspecht intensiver, beim Blutspecht weisen die Federn einen blass- bis rosaroten Farbton auf.

Die Lautäußerungen des Blutspechtes und seiner Schwesternart dem Buntspecht, sind sehr ähnlich. Der häufigste Ruf beider Arten ist ein einzelnes, kurz hintereinander ertönendes „kjüg“, püg“ oder „dschik“. Beim Blutspecht ist dieser Laut weich und etwas quietschend, beim Buntspecht härter und metallisch. Die Art verfügt außerdem noch über eine große Zahl weiterer, meist kurzer Rufe wie z.B. „kip-kip“ oder „kwiieeep“.
Jungvögel sind nur während der Fütterung hörbar, das Quietschen ist aber leiser als bei Buntspechtnestlingen.

Habitat & Biologie

Die Art besiedelt in seinen ursprünglichen Herkunftsarealen schüttere, montane Eichenwälder und uferbegleitende Gehölze. Gemieden werden offene Wacholder- und Kiefernwälder und generell alle geschlossenen Waldformen. In seinem Ursprungsgebiet besiedelt der Blutspecht außerdem häufig Kulturlandschaften wie Obstgärten, Parks, Friedhöfe und Weingärten.
In den Expansionsgebieten kommt Dendrocopos syriacus fast ausschließlich in anthropogen geformten Lebensräumen vor.
Der Blutspecht brütet in Europa sehr häufig in Obstplantagen, bevorzugt werden Plantagen mit Steinobst wie Aprikosen, Kirschen oder Pflaumen aufgesucht aber auch Maulbeer-, Walnuss- oder Mandelbaumplantagen. Die Art besetzt in Europa eine Nische, die von anderen Arten noch nicht vollständig genutzt wird und ist somit von allen Spechten Europas der am stärksten ausgeprägte Kulturfolger.

Dendrocopos syriacus ernährt sich etwa zu gleichen Teilen von pflanzlicher und tierischer Nahrung, wobei die sich Anteile je nach Jahreszeit leicht verschieben können. Von allen europäischen Spechtarten weist sein Nahrungsspektrum den höchsten pflanzlichen Anteil auf. Einen Hauptteil der pflanzlichen Nahrung machen Früchte wie reifes Steinobst (Kirschen, Aprikosen, Pfirsiche etc.) - aber auch Äpfel, Birnen, verschiedene Beerenarten usw. aus. Im Herbst und Winter werden zunehmend Nüsse, Pistazien, Mandeln und Pinienkerne vertilgt. Sonnenblumen- und Kürbiskerne, sowie verschiedene Baumsäfte zählen ebenfalls zum Nahrungsspektrum des Blutspechts.
Der tierische Nahrungsanteil besteht aus verschiedenen Insektenarten und deren Entwicklungsstadien, die überwiegend in morschem Holz oder unter der Rinde vorkommen. Den größten Anteil bilden Käfer, Schmetterlinge, Grillen und Hautflügler. Andere Wirbellose wie Tausendfüßer, Spinnen, Würmer und Schnecken werden zu einem geringeren Anteil ebenfalls erbeutet. Auch Eier, Küken von Kleinvögeln und andere, tierische Nahrung wird nicht verschmäht.
Dendrocopos syriacus sucht seine Nahrung in allen Stamm- und Astregionen aber auch am Boden. Die tierische Nahrung wird vor allem durch Absammeln oder Stochern im Holz gewonnen. Blutspechte erbeuten aber auch Fluginsekten mittels so genannten Ausfallflügen. Früchte werden entweder direkt von den Bäumen und Sträuchern oder vom Boden gesammelt. Zur Öffnung von Nüssen u.Ä. werden Spalten in Bäumen oder Gemäuern genutzt, in die der Blutspecht die Nahrung einklemmt und dann öffnet.

Die Geschlechtsreife tritt beim Blutspecht am Ende des ersten Lebensjahres ein.
Die Vögel führen eine monogame Saisonpartnerschaft, nach der Brutzeit verbleiben die Paare aber noch häufig gemeinsam im Winterrevier. Daher ist anzunehmen, dass eine Wiederverpaarung mit dem letztjährigen Partner recht häufig ist. Die Brutzeit beginnt Mitte März, mit Höhepunkt Mitte April - und endet Ende Juni.
Die Nisthöhlen befinden sich je nach Areal in den verschiedensten Baumarten. Oft werden Nisthöhlen in Astausbrüchen und Einfaulungen angelegt, nur bei Weichhölzern wie Pappeln oder Maulbeerbäumen wird auch in gesundem Holz eine Höhle geschlagen. Nicht jedes Jahr wird eine neue Höhle gezimmert, häufig werden eigene Höhlen oder Höhlen anderer Spechte nur gereinigt und wieder genutzt.
Die Art begeht eine Jahresbrut, nur bei frühem Verlust oder Aufgabe des Geleges kommt es zu einer Zweitbrut. Es werden 3 bis 7 Eier gelegt, die nach nur 10 Tagen schlüpfen. Beide Elterntiere füttern die Nestlinge 24 Tage, ehe sie die Nisthöhle verlassen. Nach dem Verlassen der Nisthöhle werden die Jungvögel noch mindestens 14 weitere Tage von den Eltern versorgt.

Blutspechte sind ortstreue Standvögel und verbleiben selbst in harten Wintern im Brutgebiet. Die schnelle Ausbreitung der Art zeigt allerdings, dass die Art sehr mobil ist. Vor allem Jungvögel siedeln sich 100 km oder mehr vom Brutort entfernt in neuen Gebieten an.

Verbreitung

Der Blutspecht wird laut Avibase nicht in Unterarten unterteilt. Andere Quellen geben neben der Nominatform noch mindestens zwei Unterarten an:

  • Dendrocopos s. syriacus: Nominatform. Kommt in Europa, Vorderasien (Westasien), Türkei, Syrien, Libanon, Israel, Palästina und Jordanien vor
  • Dendrocopos s. milleri: Ist im Iran endemisch.
  • Dendrocopos s. transcaucasius: besiedelt die Kaukasus- gebiete.

D. syriacus wurde bis vor wenigen Jahren meist nur anhand von Arthybriden mit D. major in Deutschland nachgewiesen. Mittlerweile sind allerdings aufgrund von natürlicher Arealausweitung Nachweise aus dem süddeutschen Raum gelungen.

Bemerkungen

D. syriacus wird von Birdlife International / der IUCN als "LC = Least Concern" - also als "Nicht Gefährdet" - eingestuft. Trotzdem benötigt diese Spechtart - wie alle anderen Spechte auch - genügend Alt- und Totholz in den Obstgärten, -plantagen, Parks und Waldstücken.

Ein Totfund von D. syriacus wird recht problemlos zu identifizieren sein mithilfe eines vernünftigen Feldführers. Dies sieht bei Rupfungen schon gänzlich anders aus, hier hilft wirklich nur ein sehr genauer Vergleich. Besonders schwierig dürfte es bei Hybriden mit D. major werden.

Schutzstatus

  • WA
    nicht gelistet
  • Verordnung (EG) Nr. 865/2006
    nicht gelistet
  • Bundesnaturschutzgesetz §44
    besonders geschützt